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Ein Taschenrechner und Stift als Zeichen dafür wie man einen Cap Table erstellt

Wie man einen Cap Table erstellt

Die meisten Gründer hören zum ersten mal den Begriff Cap Table, wenn ein Investor sie während des Fundraising danach fragt. Der Cap Table (kurz für capitalization table) ist eine Auflistung aller Gesellschafter mit ihren jeweiligen Anteilen an einem Startup. Zudem veranschaulicht der Cap Table die Entwicklung der Gesellschafterstruktur und der Eigenkapitalfinanzierung über die verschiedenen Finanzierungsrunden. Er wird auch dazu benutzt, die Auswirkungen einer anstehenden Finanzierungsrunde auf die Besitzverhältnisse durchzuspielen. Cap Tables sind meistens .csv Dateien. Da Microsoft Excel das am weitesten verbreitete Tabellenkalkulationsprogramm ist, würde ich empfehlen den Cap Table mit Excel zu erstellen. Natürlich können besonders Microsoft-phobe Gründer den Cap Table auch in anderen Programmen wie Apple Numbers oder Open Office erstellen, solange sie die Datei als .csv speichern. Allerdings kann es zwischen den verschiedenen proprietären Datei-Formaten und den unterschiedlichen Software Programmen zu Konvertierungsproblemen kommen, weshalb ich jedem Gründer zur Verwendung von Microsoft Excel für die Erstellung und Pflege von Cap Tables und Business Plänen raten würde. Den Cap Table als Google Sheets Dokument online zu erstellen und mit den Investoren zu teilen hört sich zunächst nach einer guten Idee an. Wer allerdings schon einmal mit einem komplexen Google Sheets Dokument mit mehreren Tabs gearbeitet hat, wird schnell verstehen, warum Investoren eine offline .csv Datei bevorzugen.

Eine typische Startup Finanzierungshistorie

Ein Cap Table ist einfach zu erstellen und es müssen selten wirklich komplizierte Berechnungen durchgeführt werden. Um dies zu illustrieren habe ich einen Cap Table für ein fiktives Startup erstellt. Unser fiktives Startup wurde von drei Gründern mit einer paritätischen Anteilsverteilung gegründet. Kurz nach der Gründung konnte das Startup zwei Business Angels von sich überzeugen, die zusammen 100,000 EUR zu einer Bewertung von 1,2 Millionen Euro investierten. Da die Gründer sich aus finanziellen Gründen nicht an der Finanzierungsrunde beteiligen konnten, wurden sie verwässert. Über das Thema Verwässerung kannst Du hier mehr lesen.

Nach einigen Monaten harter Arbeit stieg in der Seed Runde ein institutioneller Investor mit 500,000 Euro zu einer Bewertung von 2,5 Millionen Euro in das Startup ein. Der Seed Phasen Investor erwartete allerdings von den Altgesellschaftern, dass sie vor der eigentlich Finanzierungsrunde einen ESOP von 10% der Anteile einrichten. Diese sollen zur Inzentivierung der derzeitigen Mitarbeiter und Rekrutierung noch nicht besetzter Schlüsselpositionen genutzt werden. In Deutschland sind in der Frühphase 10% ESOP marktüblich, in den USA sind es ca. 20%. Da die Gründer sich bisher nicht mit dem Thema ESOP beschäftigt hatten aber ein Mitarbeiterbeteiligungsprogramm bereits angeplant hatten, stimmen sie zu. Nach zähen Verhandlungen stimmten beide Business Angels ebenfalls zu sich pro rata am ESOP zu beteiligen. Da sich weder Business Angels noch Gründer finanziell an der Seed Runde beteiligen, werden sie dementsprechend verwässert.

Wiederum einige Zeit später steigt ein zweiter Venture Capital Fonds in das Startup ein. Die Bewertung ist mit dem Erfolg des Startups in die Höhe geschnellt und liegt nun bei 6 Millionen Euro. Der Seed Runden Investor macht von seinem im letzten Beteiligungsvertrag festgeschriebenen Recht gebrauch sich pro rata an der neuen Finanzierungsrunde zu beteiligen um nicht verwässert zu werden. Nach intensiven Verhandlungen einigt man sich auf ein Investment von insgesamt 2 Millionen Euro, da der Series A Investor nach der Finanzierungsrunde mindestens 20% des Startup halten will. Die beiden Business Angels, die Gründer und der ESOP werden erneut verwässert. Der ESOP beträgt nun nur noch 6,25%. Sollte es eine weitere Finanzierungsrunde geben, wird der Neuinvestor darauf drängen, den ESOP aufzustocken.

Cap Table zum Beispiel

Den Cap Table findet ihr hier. Dabei habe ich meinen eigenen Ratschlag ignoriert und ihn als Google Sheets Dokument erstellt. Dadurch haben die Leser den vollen Zugriff auf das Dokument und können die Formeln nachvollziehen. Eine deutlich komplizierte Variante mit einem Wandeldarlehen des HTGF könnt ihr bald im Startup Fundraising eBook finden.

Worauf man achten sollte

Cap Tables können recht kompliziert werden, sobald Instrumente wie Virtuelle Shares, Wandeldarlehen, Bewertungs-Discounts oder Secondary Transactions Teil der Finanzierungsrunde sind. Deshalb ist es sehr wichtig, den Cap Table logisch kohärent aufzubauen und durch den Gebrauch von Farben und Trennlinien übersichtlich zu gestalten. Des weiteren sollte man möglichst viel mit Formeln arbeiten und nur wenn es absolut notwendig ist manuell Werte eintragen. Ich habe z.B in diesem Beispiel für die verschiedenen Finanzierungsrunden unterschiedliche Farben benutz und alle Felder, in denen ein Wert einzutragen ist, gelb unterlegt. Es hilft zusätzlich Kontrollmechanismen einzubauen, bei denen man auf den ersten Blick sehen kann, ob ein Wert falsch ist. Häufig wird zudem vergessen an den richtigen Stellen und im richtigen Umfang zu Runden. Dies kann bei großen Beträgen zu deutlichen Abweichungen führen. Das von mir gewählte Schema ist nur eines von vielen möglichen und Endeffekt ist lediglich die Berechnung richtig, auf die sich die Parteien einigen.

Bild: photosteve101 (flickr)

Tim hat über sechs Jahre Erfahrung im Bereich Startups und Finanzierung. Er arbeitete bei zwei Venture Capital Fonds, leitete den Bereich Finanzen für ein VC finanziertes Unternehmen und war Mitgründer von zwei Startups.

Tim Weiss

Tim hat über sechs Jahre Erfahrung im Bereich Startups und Finanzierung. Er arbeitete bei zwei Venture Capital Fonds, leitete den Bereich Finanzen für ein VC finanziertes Unternehmen und war Mitgründer von zwei Startups.