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Ein Foto eines Wasserfalls der sich in einen See ergießt als Symbol für die Verwässerung in Startups

Verwässerung in Startups

Nimmt ein Startup externes Eigenkapital auf, werden die bisherigen Gesellschafter verwässert. Das bedeutet, dass der von ihnen gehaltenen Anteil am Unternehmen geringer wird um im Captable Platz für den neuen Gesellschafter zu schaffen. Verwässerung ist ein natürlicher Prozess und an sich nichts Negatives. Er betrifft Gründer genau wie Investoren. Allerdings hat er auf beide Parteien deutlich unterschiedliche Auswirkungen.

Man kann sich Verwässerung unter der vereinfachenden Annahme, dass die Bewertung des Startups in der neuen Finanzierungsrunde nicht gesunken ist, in etwa so vorstellen: Nach der Finanzierungsrunde gehört jedem der Altgesellschafter ein vergleichsweise kleinerer prozentualer Anteil am Unternehmen. Durch das aufgenommene Kapital ist das Unternehmen jedoch wertvoller geworden. Die Anteile jedes Altgesellschafters am Unternehmen sind deshalb nach der Kapitalerhöhung genauso viel wert wie vor der Kapitalerhöhung! Investoren beteiligen sich häufig an neuen Finanzierungsrunden mit ihrem pro-rata Anteil um nicht verwässert zu werden. Wenn die Finanzierungsrunde 2 Millionen Euro beträgt und der Investor 20% der Anteile hält, wird er sich mit 400.000 an der Finanzierungsrunde beteiligen um seinem Anteil von 20% am Unternehmen zu halten. Gründer, aber auch viel Business Angels, verfügen meist nicht über ausreichende finanzielle Mittel um dies tun zu können. Für Gründer ist Verwässerung deshalb ein sehr wichtiges Thema, denn der ihnen gehörende prozentuale Anteil am Unternehmen ist in zweifacher Hinsicht wichtig.

Zum einen hängen vielen Corporate Governance Entscheidungen von der Zustimmung einer qualifizierten Mehrheit der Anteile ab. Am Anfang verfügen die Gründer deshalb noch über eine absolute Entscheidungsgewalt, die nur durch diesbezügliche Regelungen im Beteiligungsvertrag eingeschränkt werden. Mit zunehmender Verwässerung nimmt der Einfluss der Gründer ab und in vielen Later Stage Startups verfügen die Gründer nicht mehr über ausreichend Anteile für eine Sperrminorität. Zum anderen entspricht der Anteil des Gründers am Exit-Erlös seinem prozentualen Anteil am Unternehmen, wobei zunächst alle Liquidationspräferenzen der Investoren vom Exit-Betrag abgezogen werden.

Gründer sollten das Thema Verwässerung strategisch betrachten und versuchen, es aktiv zu managen. Das bedeutet, dass sich der Gründer nicht nur mit der Verwässerung in der anstehenden Finanzierungsrunde auseinandersetzen sollte. Es ist wichtiger die gesamte Verwässerung bis zum Zeitpunkt des Exits zu betrachten zu durchzurechnen. Dementsprechend sollte sich jeder Gründer bereits am Anfang im Klaren sein, wie viel Geld er in wie vielen Finanzierungsrunden und zu welchen Konditionen aufzunehmen planen gedenkt.

Bild: Jeff Sheldon (unsplash)

Tim hat über sechs Jahre Erfahrung im Bereich Startups und Finanzierung. Er arbeitete bei zwei Venture Capital Fonds, leitete den Bereich Finanzen für ein VC finanziertes Unternehmen und war Mitgründer von zwei Startups.

Tim Weiss

Tim hat über sechs Jahre Erfahrung im Bereich Startups und Finanzierung. Er arbeitete bei zwei Venture Capital Fonds, leitete den Bereich Finanzen für ein VC finanziertes Unternehmen und war Mitgründer von zwei Startups.