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Bilder vom Bau des Eifelturms als Symbol für die verschiedenen Finanzierungsrunden beim Staging

Staging von Finanzierungsrunden

Der Begriff Staging beschreibt die Aufteilung des gesamten Kapitalbedarfs eines Startups auf mehrere Finanzierungsrunden. Diese Art der stufenweisen Finanzierung hat sowohl für die Gründer als auch für die Investoren eine Reihe von Vorteilen und ist deshalb im Startup Umfeld der Regelfall. Andere langfristige Projekte, wie zum Beispiel Bauvorhaben, werden bereits im Vorhinein durchfinanziert. Startups sind für diesen Ansatz zu riskant, da die Ungewissheit am Anfang am größten ist und erst im Laufe des Geschäftstätigkeit abnimmt. Es bleibt meist sehr lange unklar, ob das Startup erfolgreich sein oder ob es scheitern wird. Da der Großteil aller Startups scheitert und nur ein kleiner Anteil die erhoffte Rendite erbringt, macht es aus Investorensicht Sinn, erst dann größere Beträge zu investieren, wenn das Risiko ausreichend reduziert wurde.

Minimierung von Risiken

Durch die Bereitstellung des benötigten Gesamtkapitals über mehrere Finanzierungsrunden wird der Zufluss weiterer Mittel an die Neutralisierung operativer Risiken geknüpft. Schafft es ein Startup nicht, ausreichenden operativen Fortschritt zu machen und Risiken zu neutralisieren, wird es kein weiteres Kapital von Investoren bekommen. Die verschiedenen Finanzierungsphasen haben im Normalfall unterschiedliche phasenspezifische Risiken, die es zu entkräften gilt.

Minimierung der Mittelbindung

Da die Investoren dem Startup das benötigte Kapital über mehrere Finanzierungsrunden verteilt zur Verfügung stellen, wird immer nur die für die nächsten Schritte benötigte Summe in das Startup investiert. Die Investoren können das noch nicht benötigte Kapital in der Zwischenzeit für andere Zwecke verwenden und Rendite erwirtschaften lassen. Falls das Startup nicht die Erwartungen der Investoren erfüllt, sind sie nicht gezwungen weiteres Kapital zu investieren. Venture Capital Fonds stellen bei der Beteiligungen an einem neuen Startup immer weitere finanzielle Mittel für zukünftige Finanzierungsrunden zurück.

Realistische Unternehmensbewertungen

Durch die Aufteilung des Kapitalbedarfs auf mehrere Finanzierungsrunden muss der Unternehmenswert in regelmäßigen Abständen neu festgelegt werden. Dadurch wird es möglich, neben dem Potential der Geschäftsidee auch die operative Entwicklung des Startups in die Unternehmensbewertung mit einzubeziehen. Dadurch entspricht die Unternehmensbewertung in jeder Finanzierungsrunde dem aktuellen Marktwert. Dies wirkt sich bei einer positiven Geschäftsentwicklung und einer entsprechend hohen Bewertung vorteilhaft auf die Verwässerung der Altgesellschafter aus.

Minimierung der Verwässerung

Da durch das Staging von den Kapitalgebern in jeder Finanzierungsrunde stets die aktuelle bzw. realistische Unternehmensbewertung gezahlt wird, werden die Gründer und Altinvestoren immer nur im notwendigen Ausmaß verwässert. Ausnahmen bilden hier nur Wandeldarlehen mit einem sogenannten Cap, das eine Obergrenze für die Unternehmensbewertung festsetzt.

Frequenz

Startups benötigen in den verschiedenen Entwicklungsphasen unterschiedlich viel Geld. Zum einen ist der monatliche Geldverbrauch, die sogenannte Burn-rate, je nach Unternehmensgröße und Branche unterschiedlich. Zum anderen ist der optimale Zeitraum bis zum nächsten Fundraising, der sogenannte Runway, in jeder Phase unterschiedlich.

Limitierende Faktoren

Den Vorteilen des Stagings stehen die direkten und indirekten Kosten des Einwerbens einer neuen Finanzierungsrunde gegenüber. Dazu gehören neben den Anwaltskosten for allem die Opportunitätskosten, die durch die Ablenkung der Gründer vom operativen Geschäft entstehen. Der Fundraising-Prozess mit einem institutionellen Investor dauert im Normalfall drei bis sechs Monate und nimmt einen Großteil der Aufmerksamkeit des Gründers in Anspruch.

Häufige Probleme

Das am häufigsten zu beobachtende Probleme ist die Unterkapitalisierung von Startups. Sprich die Unternehmen werden von ihren Investoren mit zu wenig Geld ausgestattet und haben deshalb nicht genügend Runway, um alle Risiken zu neutralisieren oder Milestone zu erreichen. Dadurch werden sie gezwungen, zu einem denkbar ungünstigen Zeitpunkt ins Fundraising zu gehen.

Optimale Anzahl an Finanzierungsrunden

Die optimale Anzahl an Finanzierungsrunden ist für jedes Startup unterschiedlich und hängt sehr stark vom Kapitalbedarf des Startups, seinem Risikoprofil, seinem Wachstum, dem Zugang der Gründer zu Finanzierungsquellen und dem allgemeinen Zustand der Kapitalmärkte ab. Die meisten Startups führen in jeder Entwicklungsphase eine Finanzierungsrunde durch. Mehr als eine Finanzierungsrunde pro Entwicklungsphase ist ineffizient und deutet darauf hin, dass das Startup Probleme hatte. Falls die Gründer es nicht schaffen eine Finanzierungsrunde in der gewünschten Größenordnung einzuwerben, müssen die existierenden Gesellschafter eine Brückenfinanzierung durchführen um das Startup am Laufen zu halten.

Bild: publicdomainarchive

Tim hat über sechs Jahre Erfahrung im Bereich Startups und Finanzierung. Er arbeitete bei zwei Venture Capital Fonds, leitete den Bereich Finanzen für ein VC finanziertes Unternehmen und war Mitgründer von zwei Startups.

Tim Weiss

Tim hat über sechs Jahre Erfahrung im Bereich Startups und Finanzierung. Er arbeitete bei zwei Venture Capital Fonds, leitete den Bereich Finanzen für ein VC finanziertes Unternehmen und war Mitgründer von zwei Startups.