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Eine Baustelle als Symbol dafür wie wichtig es ist, beim Finanzplan erstllen auf den richtigen Aufbau zu achten

Finanzplan erstellen 2: Aufbau

Nachdem wir uns im ersten Teil der Reihe Finanzplan erstellen die Anforderungen an einen Finanzplan angeschaut haben, lernen wir nun, wie man einen Finanzplan richtig aufbaut. Damit wir beim Finanzplan erstellen nicht unnötig Zeit verlieren, ist es wichtig bereits am Anfang den richtigen Aufbau zu wählen.

Titelseite

Die Titelseite fungiert als Deckblatt und enthält in erster Linie der Name des Startups, sowie den Namen des Verfassers samt Kontaktinformationen. Zudem sollte hier auch noch einmal die Versionsnummer des Finanzplans stehen. Falls im Finanzplan ungewöhnliche Abkürzungen verwendet werden oder Begriffe erklärungsbedürftig sind bzw. übersetzt werden müssen, kann dies ebenfalls auf der Titelseite geschehen. Die Titelseite ist meiner Meinung nach optional, macht aber bei richtiger Umsetzung einen professionellen Eindruck.

Annahmen

Es ist empfehlenswert alle im Finanzplan getroffenen Annahmen in einem Tab zu haben. Damit kann sich der Leser schnell einen Überblick über die Annahmen verschaffen und kann die Werte an einem Ort finden, wenn er Anpassungen vornehmen oder verschiedene Szenarien durchspielen möchte. Falls eine Annahme im Finanzplan für Berechnungen benötigt wird, sollte man stets den Wert aus dem Annahmen Tab verwenden. Ich persönlich bevorzuge es, mit einem Zwischenschritt auf die Annahme im Annahmen Tab zu verlinken. Eine direkte Verlinkung bedeutet häufig sehr lange Verweise, wodurch Formeln unnötig kompliziert und unleserlich werden. Um auf eine Annahme indirekt zu verlinken, muss man einfach eine Zelle mit einem Verweis auf die entsprechende Annahme in den Tab hinzufügen. Dadurch hat man immer den Wert aus dem Annahmen Tab, ohne dabei unleserliche Formeln oder Probleme mit unterschiedlichen Werten zu haben. Fortgeschrittene Excel Benutzer können auch direkt auf das Annahmen Tab verlinken, indem sie Zellen individuelle Namen geben. Dadurch werden Verweise deutlich kürzer und der Leser kann aus dem Namen häufig schon den Inhalt schließen. Ein gutes Beispiel ist der Umsatzsteuersatz, den man häufig mit VAT abkürzt. Dadurch können Rechnungen, die den VAT benötigen, sehr einfach und gut leserlich dargestellt werden.

Finanzierung

Die Finanzierungsplanung deckt zum einen die Finanzierungstätigkeit der Vergangenheit ab und ermittelt den Finanzbedarf für den Planungshorizont.

Gewinn- und Verlustrechnung

Die GuV Rechnung (im Englischen P&L genannt) ist das Kernstück des Finanzplans. Sie zeigt auf Monatsbasis die Umsätze, Kosten und Gewinne bzw. Verluste für den betrachteten Planungshorizont. Ich persönlich finde es störend, die aggregierten Jahreswerte in diese Betrachtung einzufügen. Dadurch werden die Formeln für das Tab deutlich schwieriger zu warten, da die Monatswerte immer wieder von den Jahreswerten unterbrochen werden und sich die Formeln in einer Reihe nicht einfach fortführen lassen. Ich bevorzuge stattdessen ein eigenständiges Jahresübersicht Tab. Die Cash-Flow Rechnung kann in vielen Fällen unter der GuV im gleichen Tab durchgeführt werden, da sie auf den Ergebnissen der GuV beruht.

Jahresübersicht

Falls im GuV Tab keine aggregierten Werte auf Jahresbasis enthalten sind, sollte man diese als eigenständiges Tab direkt im Anschluss hinzufügen. Ein eigenständiges Jahresüberblick Tab hat den Vorteil, dass man flexibler ist und die GuV stärker zusammenfassen und abstrahieren kann. Meist sind auf Jahresbasis nur die Zahlen für Umsatz, Kosten und EBIT bzw. EBITDA interessant. Die Ergebnisse lassen sich dann sehr einfach visuell als Säulendiagramme darstellen und für ein Pitch Deck nutzen.

Cash-Flow Planung

Falls die Cash-Flow bzw. Liquiditätsplanung nicht bereits im GuV Tab durchgeführt wurde, sollte man sie als eigenständiges Tab im Anschluss abbilden. Dies ist vor allem bei Geschäftsmodellen mit hohen oder komplexen Investitionen und Abschreibungen zu empfehlen. Für die meisten Startups reicht eine einfach Cash-Flow Rechnung im GuV Tab vollkommen aus.

Umsatzplanung

Der komplizierteste Teil jedes Finanzplans ist die Umsatzplanung. Je nach Geschäftsmodell kann sich diese Rechnung über mehrere Tabs erstrecken, da sie auf einem realistischen Modell beruhen sollte. Es ist nicht anzuraten die Umsatzplanung Top-down aufzustellen. Stattdessen sollte man die Umsatzplanung Bottom-up angehen. Wie man ein solches Modell am besten aufstellt und in verschiedene Tabs trennt, wird im nächsten Artikel erklärt.

Personalplanung

Die Personalplanung und die Personalkostenrechnungen sollten in einem eigenen Tab durchgeführt werden. Dadurch hat der Betrachter einen guten Überblick, wann welche Stellen besetzt werden sollen und wie hoch die Gehälter sind. Gründer haben häufig Probleme mit diesem Tab, da sie sich zum Einen selten tiefergehende Gedanken gemacht haben, wann sie welche Stelle brauchen oder besetzen wollen und zum Anderen nicht wissen, wie viel diese Positionen verdienen sollen.

Marketing- und Vertriebskosten

Die Marketing- bzw. Vertriebsausgaben sind meistens direkt mit des Umsatzmodell verbunden. Deshalb sollte man dafür ein gesondertes Tab nutzen.

Sonstige Kosten

Dies ist der richtige Tab für alle sonstigen Kosten, die in kein anderes Tab passen. Hierzu zählen häufig Miete, Hosting, Reisekosten (falls nicht schon in der Personalplanung einbezogen), externe Buchhaltung, Kosten für Anwalt und Steuerberater, Versicherungen und Büroartikel.

Investitionen und Abschreibungen

Bei einem eigenständigen Cash-Flow Tab lohnt es sich, die Investitionen und Abschreibungen direkt im Anschluss zu behandeln. Bei den meisten Startups kann dieses Tab allerdings am Ende des Finanzplans stehen, da es nur von geringem Interesse ist.

Bilanz

Die Bilanz ist bei vielen Startups nicht besonders aussagekräftig, da sie über kaum Anlagevermögen verfügen und selten viel Fremdkapital aufgenommen haben. Man sollte trotzdem einen Tab mit der aktuellen Bilanz im Finanzplan haben und wenn möglich die Bilanz für die kommenden Jahre abbilden.

Bild: mugley (flickr)

Tim hat über sechs Jahre Erfahrung im Bereich Startups und Finanzierung. Er arbeitete bei zwei Venture Capital Fonds, leitete den Bereich Finanzen für ein VC finanziertes Unternehmen und war Mitgründer von zwei Startups.

Tim Weiss

Tim hat über sechs Jahre Erfahrung im Bereich Startups und Finanzierung. Er arbeitete bei zwei Venture Capital Fonds, leitete den Bereich Finanzen für ein VC finanziertes Unternehmen und war Mitgründer von zwei Startups.